Neun von zehn Deutschen machen sich Sorgen darüber, ob Gesundheitsversorgung in Zukunft noch bezahlbar sein wird. Das ist kein Bauchgefühl, das ist das Ergebnis einer repräsentativen Studie. Im März 2026 veröffentlichte die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC Deutschland ihr jährliches „Healthcare-Barometer“ – zum zwölften Mal in Folge.

Für diese Ausgabe wurden im Januar und Februar 2026 rund 1.000 Bürgerinnen und Bürger bevölkerungsrepräsentativ befragt. Die Ergebnisse sind nüchtern und verdienen eine genaue Betrachtung – jenseits von Panikmache und Verharmlosung.

Was ist das PwC Healthcare-Barometer überhaupt?

Das Healthcare-Barometer ist eine jährlich erhobene Meinungsumfrage unter der deutschen Bevölkerung. Es erfasst keine medizinischen Daten, keine Kostenkennzahlen aus Krankenkassen oder Klinikbilanzen – sondern ausschließlich subjektive Wahrnehmungen und Einschätzungen der Befragten. Das ist wichtig zu verstehen, bevor man die Zahlen interpretiert.

Eine Umfrage dieser Art ist ein Seismograph für gesellschaftliche Stimmungen. Sie zeigt, wie die Bevölkerung das Gesundheitssystem wahrnimmt, welche Sorgen dominieren und welche Lösungsansätze sich die Menschen wünschen. Was sie nicht zeigt: ob diese Wahrnehmungen mit der tatsächlichen Versorgungsrealität übereinstimmen. Beides – Wahrnehmung und Realität – hat seinen eigenen Informationswert.

Die Tatsache, dass PwC als Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft diese Studie durchführt und veröffentlicht, ist ebenfalls relevant. PwC berät Krankenhäuser, Krankenkassen und Pharmaunternehmen. Die Studie entsteht also nicht in einem vollständig interessenfreien Raum. Das schmälert nicht notwendigerweise ihren Informationswert – aber es lohnt sich, die Schlussfolgerungen der Studienautoren von den nackten Befragungsergebnissen zu trennen.

Die zentralen Befunde im Überblick

91 % sorgen sich um die Finanzierbarkeit

Die aufmerksamkeitsstärkste Zahl aus dem Barometer 2026: Neun von zehn Befragten äußern Bedenken hinsichtlich der langfristigen Finanzierbarkeit des deutschen Gesundheitswesens. Diese Sorge ist damit das dominierende Thema – noch deutlicher als in den Vorjahren.

Zum Vergleich: Im PwC-Barometer 2025 nannten 56 % die Finanzierbarkeit als große Herausforderung. Der Sprung auf 91 % innerhalb eines Jahres ist bemerkenswert. Er dürfte sich unter anderem durch die öffentlich geführten Debatten um die Krankenhausreform, steigende Kassenbeiträge und mögliche Leistungskürzungen erklären – all das war in den Monaten vor der Befragung in den Medien omnipräsent.

Das bedeutet: Die Zahl misst vor allem, wie stark ein Thema gesellschaftlich diskutiert wird. Dass 91 % Sorgen nennen, sagt noch nichts darüber aus, wie berechtigt diese Sorgen im Detail sind – oder ob die Befragten konkrete eigene Erfahrungen damit gemacht haben.

Nur noch jede zweite Person zählt das System zu den besten der Welt

Nur noch 50 % der Deutschen ordnen ihr Gesundheitssystem zu den drei besten weltweit ein. Vor zehn Jahren waren es noch 64 %. Der Vertrauensverlust ist also ein schleichender Trend, kein plötzlicher Einbruch.

Besonders ausgeprägt ist die Skepsis bei Menschen über 55 Jahren. Das ist die Altersgruppe, die das System am intensivsten nutzt – und deshalb am konkretesten bewertet. Unter den über 55-Jährigen stimmen laut Barometer 2025 nur noch 40 % der Aussage zu, das deutsche Gesundheitssystem gehöre zu den Top 3 der Welt.

Interessant ist dabei ein scheinbarer Widerspruch: Gleichzeitig bewerten rund 50 % der Befragten die stationäre Versorgungsqualität als gut oder sehr gut – ein Wert, der sich laut PwC seit Jahren kaum verändert hat. Menschen können also die Qualität des Systems, das sie kennen, vergleichsweise positiv einschätzen und trotzdem Sorgen um dessen Zukunft haben. Beides schließt sich nicht aus.

Fachkräftemangel und Versorgungsqualität als weitere Problemfelder

Hinter der Finanzierbarkeit nennen 53 % der Befragten den Fachkräftemangel als große Herausforderung, 49 % die Sicherung der Versorgungsqualität. Auch diese Wahrnehmungen sind nicht aus der Luft gegriffen: PwC selbst prognostiziert in einer separaten Analyse, dass dem deutschen Gesundheitswesen bis 2030 mindestens 400.000 Vollzeitkräfte fehlen werden.

Sichtbar wird der Fachkräftemangel für viele Menschen vor allem im Alltag: lange Wartezeiten auf Facharzttermine, das Gefühl, dass sich niedergelassene Ärzte zu wenig Zeit nehmen, und zunehmende Versorgungslücken in ländlichen Regionen. Diese Erfahrungen dürften die Umfrageergebnisse stark prägen.

Was wünschen sich die Deutschen konkret?

Das Barometer fragt nicht nur nach Problemen, sondern auch nach Lösungsvorstellungen. Die Antworten sind aufschlussreich.

Integrierte Versorgung statt Sektorendenken

87 % der Befragten sprechen sich für eine stärker integrierte Versorgung aus – also für eine bessere Zusammenarbeit zwischen Hausärzten, Fachärzten, Kliniken und Pflegeeinrichtungen. Das sogenannte Sektorendenken – also die weitgehende Trennung zwischen ambulanter und stationärer Versorgung, die in Deutschland historisch gewachsen ist – gilt vielen als Quelle von Ineffizienz: Doppeluntersuchungen, mangelnde Kommunikation zwischen Behandelnden, fehlende Übergaben.

Ob eine stärker integrierte Versorgung tatsächlich die erhofften Kosteneinsparungen und Qualitätsverbesserungen bringt, ist in der Wissenschaft nicht abschließend geklärt. Internationale Erfahrungen sind gemischt. Es gibt gut belegte Vorteile in der Patientensteuerung – aber strukturelle Veränderungen dieser Art dauern Jahrzehnte und scheitern häufig an institutionellen Eigeninteressen.

Digitalisierung als Hoffnungsträger – mit Vorbehalten

78 % der Befragten sehen in einer verbesserten Digitalisierung und Datennutzung einen wichtigen Reformhebel. Das deckt sich mit einer breiteren gesellschaftlichen Erwartung, dass digitale Technologien das Gesundheitswesen effizienter machen können.

Zugleich weist PwC selbst auf ein strukturelles Problem hin: Deutschland hinkt anderen europäischen Ländern bei der Digitalisierung im Gesundheitsbereich deutlich hinterher. Viele bestehende Lösungen sind Insellösungen, die nicht miteinander kommunizieren. Die elektronische Patientenakte – seit Jahren politisch gefordert – wird nur zögerlich eingeführt.

Dazu kommt die Datenschutzfrage. Die Nutzung von Gesundheitsdaten im größeren Maßstab birgt erhebliche Risiken für die Privatsphäre. Wie diese abgewogen werden sollen, ist gesellschaftlich noch nicht vollständig ausgehandelt.

Prävention erhält höchste Zustimmung

91 % der Befragten wünschen sich, dass Prävention im Gesundheitssystem künftig eine größere Rolle spielt. Für 53 % ist das sogar sehr wichtig.

Das ist ein bemerkenswerter Befund – und für alle, die gesundheitsbewusst leben und möglichst lange in guter Gesundheit bleiben möchten, besonders relevant. Das deutsche Gesundheitssystem ist traditionell auf Behandlung ausgerichtet. Prävention – also Maßnahmen, die Erkrankungen verhindern oder verzögern – fristet im Vergleich zu anderen Ländern nach wie vor eine Nebenrolle.

Dabei zeigt eine separate PwC-Studie (Future of Health / Strategy&), dass Deutsche bereits heute im Median rund 225 Euro pro Monat aus eigener Tasche in ihre Gesundheit investieren – für Sport, Ernährung, Vorsorgeuntersuchungen und Gesundheitstracker. Das deutet darauf hin, dass die Bereitschaft zur Eigenverantwortung in der Bevölkerung deutlich größer ist, als es das auf Behandlung fokussierte System bisher widerspiegelt.

Die Kostenfrage: Was steckt hinter den steigenden Ausgaben?

Um die Sorgen der Bevölkerung einzuordnen, lohnt ein Blick auf die tatsächliche Kostenentwicklung. Deutschland gibt, gemessen am Bruttoinlandsprodukt, mehr für Gesundheit aus als jedes andere Land der Europäischen Union. Die Ausgaben steigen seit Jahren strukturell.

Mehrere Faktoren treiben diese Entwicklung an. Der demographische Wandel ist einer der wichtigsten: Eine alternde Bevölkerung hat im Durchschnitt mehr und kostenintensivere Gesundheitsbedarfe. Gleichzeitig steigen die Kosten für medizinischen Fortschritt – neue Therapien, teurere Medikamente, modernere Diagnostik. Hinzu kommen Tariflohnsteigerungen für Pflegekräfte und Ärzte, die nötig sind, um den Beruf attraktiv zu halten, aber das System finanziell belasten.

Die private Krankenversicherung verzeichnete allein im Jahr 2024 einen Kostenanstieg von über zehn Prozent für stationäre Leistungen. Auch die gesetzlichen Krankenkassen erhöhten zuletzt ihre Zusatzbeiträge.

Diese Entwicklung ist nicht kurzfristig umkehrbar. Wer ehrlich ist, muss zugeben: Selbst eine grundlegende Systemreform würde den demographischen und medizinischen Kostendruck nur abmildern, nicht beseitigen. Die Frage ist nicht, ob Gesundheitsversorgung teurer wird – sondern wie die Gesellschaft mit dieser Realität umgeht.

Wo die Studie an ihre Grenzen stößt

Das PwC Healthcare-Barometer ist eine wertvolle Quelle für gesellschaftliche Stimmungslagen. Es hat aber methodische Grenzen, die man kennen sollte.

Umfragedaten zu abstrakten Themen wie „Finanzierbarkeit des Gesundheitssystems“ spiegeln stark die aktuelle Medienberichterstattung wider. Ein Thema, das in den Wochen vor der Befragung intensiv diskutiert wurde, erzeugt fast automatisch hohe Besorgniszahlen – unabhängig davon, ob die persönliche Betroffenheit zugenommen hat. Das erklärt möglicherweise den starken Anstieg von 56 % auf 91 % innerhalb eines Jahres.

Außerdem misst die Studie keine Verhaltensänderungen, keine Versorgungsergebnisse und keine tatsächlichen Ausgaben. Sie misst Meinungen. Meinungen können von Fakten abweichen – in beide Richtungen.

Schließlich lohnt es sich, den Auftraggeber im Blick zu behalten. PwC ist ein kommerzielles Unternehmen, das Gesundheitsunternehmen berät. Die Studie kann dazu dienen, politischen Druck für Reformen zu erzeugen, von denen auch Beratungsunternehmen profitieren. Das macht die Befunde nicht falsch – aber es ist ein Faktor, den ein kritischer Leser kennen sollte.

Was bedeutet das für Menschen, die selbst Verantwortung übernehmen möchten?

Die Daten aus dem Barometer zeigen ein System unter Druck. Für gesundheitsbewusste Menschen ergeben sich daraus einige sachliche Schlussfolgerungen.

Erstens: Das Gesundheitssystem wird absehbar weniger leisten können als bisher – zumindest nicht ohne höhere Eigenbeteiligung oder Leistungskürzungen an anderer Stelle. Wer langfristig gesund bleiben möchte, tut gut daran, nicht allein auf das System zu vertrauen.

Zweitens: Prävention ist nicht nur ein politisches Schlagwort, sondern aus individueller Perspektive der effizienteste Umgang mit begrenzten Ressourcen – sowohl den eigenen als auch denen des Gesundheitssystems. Regelmäßige Bewegung, eine nährstoffreiche Ernährung, ausreichend Schlaf und das Vermeiden von Risikofaktoren wie Rauchen oder chronischem Stress sind Maßnahmen mit nachgewiesener Wirkung auf die Gesundheitsspanne.

Drittens: Die wachsende Lücke im ambulanten Bereich – laut Barometer eine der sichtbarsten Schwachstellen des Systems – macht es sinnvoll, Vorsorgeuntersuchungen aktiv wahrzunehmen und nicht aufzuschieben. Der Zugang zu Fachärzten wird schwieriger; regelmäßige Basisversorgung beim Hausarzt gewinnt an Bedeutung.

Viertens: Die von der Studie beschriebene Bereitschaft der Deutschen, monatlich rund 225 Euro in die eigene Gesundheit zu investieren, zeigt: Prävention wird zunehmend als persönliche Aufgabe verstanden. Das ist eine Entwicklung, die man rational einordnen kann – weder übertrieben noch vernachlässigen.

Der strukturelle Kern des Problems

Was das Barometer letztlich sichtbar macht, ist eine tiefere strukturelle Spannung im deutschen Gesundheitswesen: Das System wurde für eine andere demographische Realität gebaut. Es ist auf akute Behandlung ausgerichtet, nicht auf die Begleitung einer alternden Bevölkerung mit chronischen Erkrankungen. Es denkt in Sektoren, nicht in Versorgungsketten. Und es investiert vergleichsweise wenig in Prävention, obwohl der Zusammenhang zwischen Prävention und langfristiger Kostenreduktion wissenschaftlich gut belegt ist.

Die Bürgerinnen und Bürger spüren diese Spannung – auch wenn sie sie nicht immer in diesen strukturellen Begriffen formulieren. Deshalb sagen 87 %, sie wünschen sich integrierte Versorgung. Deshalb sagen 91 %, Prävention müsse eine größere Rolle spielen. Diese Forderungen treffen einen realen Befund.

Ob die Politik die nötigen strukturellen Reformen umsetzen wird, ist offen. Gesundheitsreformen sind in Deutschland traditionell schwierig, weil viele Akteure – Krankenkassen, Kassenärztliche Vereinigungen, Krankenhausgesellschaften, Pharmaunternehmen – erheblichen Einfluss auf den politischen Prozess haben und jeweils unterschiedliche Interessen verfolgen.

Top 10 Gesundheitssysteme der Welt

Numbeo Health Care Index 2025

(bewertet Qualität, Personal, Kosten – nutzungsbasiert)

RangLandScore
1🇹🇼 Taiwan86,5
2🇰🇷 Südkorea82,8
3🇯🇵 Japan80,0
4🇳🇱 Niederlande79,3
5🇩🇰 Dänemark78,4
6🇦🇹 Österreich77,9
7🇫🇷 Frankreich77,7
8🇫🇮 Finnland77,5
8🇹🇭 Thailand77,5
10🇪🇸 Spanien77,3

Was fällt auf?

Taiwan hält seit sieben Jahren in Folge den Spitzenplatz im Numbeo-Index – durch ein Single-Payer-System, vollständig digitalisierte Patientenakten und niedrige Eigenkosten. Südkorea überzeugt mit modernster Medizintechnik, schnellen Reaktionszeiten und nahezu vollständiger Bevölkerungsabdeckung. Deutschland landet im Numbeo-Ranking erst um Platz 20.

Fazit

Das PwC Healthcare-Barometer 2026 ist ein nützlicher, aber nicht unkritisch zu lesender Stimmungsreport. Die Zahl von 91 % Menschen, die sich um die Finanzierbarkeit des Gesundheitswesens sorgen, ist real – aber sie spiegelt auch die Intensität der öffentlichen Debatte wider, nicht allein konkrete persönliche Erfahrungen.

Belastbar ist der längerfristige Trend: Das Vertrauen in das deutsche Gesundheitssystem sinkt seit einem Jahrzehnt. Der Kostendruck ist keine Einbildung, sondern hat reale demographische und strukturelle Ursachen. Die Rufe nach stärker integrierter Versorgung, Prävention und Digitalisierung sind berechtigt – auch wenn ihre Umsetzung schwierig bleibt.

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